Wie wahrscheinlich ist ein gehacktes Handy wirklich?
Ehrlich vorweg: Viele Auffälligkeiten haben nichts mit einem Angriff zu tun. Die Polizei nennt als mögliche Anzeichen für Stalkerware einen schneller entladenen Akku, ein heißes Gerät, unbekannte Apps und ungewöhnliche Benachrichtigungen, betont aber ausdrücklich: Diese Hinweise allein sind noch kein Beweis. Auch Apple schreibt zu hochentwickelter Spyware, dass die meisten Menschen nie Ziel von Angriffen dieser Art werden. Nachrichten in deinem Namen können dagegen auch auf ein übernommenes Konto hindeuten statt auf ein befallenes Gerät.
Starke und schwache Hinweise im Vergleich
| Hinweis | Gewicht | Einordnung |
|---|---|---|
| Unbekannte App, die du nicht installiert hast | stark | Die Polizei führt unbekannte Apps als Anzeichen auf. Prüfe sie, bevor du sie löschst (siehe Stalkerware). |
| Unbekanntes Konfigurationsprofil auf dem iPhone | stark | Solche Profile können laut Apple Zugriff auf Daten oder Standort ermöglichen. |
| Unbekannte App mit Zugriff über die Bedienungshilfen | stark | Die Polizei rät, Bedienungshilfen zu deaktivieren, wenn du sie nicht brauchst. Google beschränkt sie im erweiterten Sicherheitsprogramm auf geprüfte Apps, um das Risiko durch schädliche Apps zu mindern. |
| Meldung des Anbieters über eine Anmeldung auf einem fremden Gerät | stark | Apple nennt das als Anzeichen für ein kompromittiertes Konto, ebenso das BSI. |
| Nachrichten, die du nicht gesendet hast, oder Hinweise von Bekannten | stark | Ein Anzeichen laut BSI und Apple. Betroffen kann das Konto sein statt des Geräts. |
| Jemand weiß Dinge, die er nicht wissen kann | mittel | Von der Polizei als indirekter Hinweis auf Überwachung genannt. |
| Akku leer, Gerät warm, langsamer | schwach | Von der Polizei als mögliches Zeichen genannt, aber kein Beweis. |
Ein einzelnes schwaches Zeichen reicht nicht für einen Verdacht. Mehrere starke Zeichen zusammen sollten dich dagegen sofort handeln lassen.
Erste Maßnahmen, die für beide Systeme gelten
- Zuerst überlegen, wer Zugriff hatte. Wenn du eine Person aus deinem Umfeld verdächtigst, lies zuerst den Abschnitt zu Stalkerware, bevor du etwas löschst.
- Internetverbindung trennen, wenn du Schadsoftware vermutest. So rät es die Verbraucherzentrale bei infizierten Geräten.
- Passwörter von einem anderen Gerät ändern, beginnend mit dem E-Mail-Konto, so die Verbraucherzentrale. Die Reihenfolge erklärt Konto gehackt: Was tun?.
- Betriebssystem aktualisieren. Das BSI nennt Updates als Kern des Schutzes für Mobilgeräte, weil viele Angriffe Sicherheitslücken ausnutzen.
- Apps und Berechtigungen prüfen, wie unten je System beschrieben.
Android prüfen
- App-Liste: Öffne Einstellungen, dann Apps, und suche nach Apps, die du nicht kennst (Polizei). Wenn eine App erst kurz vor den Auffälligkeiten installiert wurde, deinstalliere sie laut BSI.
- Berechtigungen: Laut Google siehst du sie pro App unter Einstellungen, Apps, App, Berechtigungen. Alternativ zeigt der Berechtigungsmanager unter Sicherheit und Datenschutz, Datenschutz, welche Apps etwa auf Kamera, Mikrofon oder Standort zugreifen. Die Bezeichnungen können je nach Hersteller und Android-Version abweichen.
- Bedienungshilfen und unbekannte Quellen: Deaktiviere Bedienungshilfen, die du nicht benötigst, und die Installation aus unbekannten Quellen. Beides empfiehlt die Polizei. Die genauen Menünamen unterscheiden sich je nach Gerät, schau in der Anleitung deines Herstellers nach.
- Google Play Protect: Es prüft laut Google Apps und Gerät auf schädliches Verhalten und sollte aktiviert bleiben. Du findest es in der Play-Store-App über das Profilsymbol und die Play-Protect-Einstellungen.
- Google-Konto: Prüfe in der Google-Konto-Hilfe die kürzlich aufgetretenen Vorkommnisse und die Geräteliste. Dort entfernst du Geräte, die du nicht erkennst.
- Virenscanner und abgesicherter Modus: Das BSI empfiehlt, bei Verdacht ein aktuelles Antivirenprogramm zu installieren und das Gerät zu scannen. Lässt sich eine App nicht deinstallieren, hilft ein Neustart im abgesicherten Modus, in dem keine nachträglich installierten Programme starten. Wie das geht, ist geräteabhängig.
- Root: Die Polizei rät auszuschließen, dass das Gerät gerootet wurde.
iPhone prüfen
- Konfigurationsprofile: Öffne Einstellungen, Allgemein, VPN und Geräteverwaltung. Sind dort keine Profile aufgeführt, ist laut Apple kein Geräteverwaltungsprofil installiert. Ein unbekanntes Profil kannst du auswählen, über „Profil löschen“ entfernen und danach das Gerät neu starten. Gehört das Gerät deiner Schule oder deinem Arbeitgeber, sprich vorher mit der Administration. Beim Entfernen gehen die zugehörigen Einstellungen verloren.
- Apps: Streiche zur App-Mediathek und nutze die Suche für die alphabetische Liste aller Apps. Unbekannte Apps kannst du laut Apple löschen.
- Jailbreak: Als Anzeichen nennt die Polizei unbekannte Apps wie „Cydia“.
- Berechtigungen und Freigaben: Die Polizei verweist auf Einstellungen, Privatsphäre, etwa für geteilten Standort. Apples Funktion „Sicherheitsprüfung“ ab iOS 16 hilft laut Apple, Freigaben und App-Zugriffe zu prüfen.
- Apple Account: Gehe auf account.apple.com, wähle „Geräte“ und entferne unbekannte Geräte; aktiviere die Zwei-Faktor-Authentifizierung (Apple Support).
- Blockierungsmodus: Er ist nur für die wenigen Menschen gedacht, die wegen ihrer Tätigkeit Ziel hochentwickelter Angriffe sein können, und schränkt das Gerät stark ein (Apple). Für die meisten ist er keine Lösung.
Stalkerware und digitale Gewalt
Stalkerware nennt die Polizei Tools, mit denen jemand das Privatleben einer anderen Person über deren Mobilgerät heimlich ausspähen kann, einschließlich Websuchen, Standort, Textnachrichten, Fotos und Anrufen. Sie läuft versteckt im Hintergrund und tarnt sich oft als Systemdienst. Das Thema betrifft häufig toxische Beziehungen oder Trennungen.
Geht es um eine Person aus deinem Umfeld, rät die Polizei, mit Bedacht zu handeln, weil unüberlegte Reaktionen den Täter alarmieren und die eigene Sicherheit gefährden können:
- Suche Informationen und Hilfe möglichst auf einem sicheren Gerät, etwa dem einer Freundin oder eines Freundes.
- Schreibe auf dem verdächtigen Handy nicht über deinen Verdacht oder deine Pläne.
- Dokumentiere auffälliges Verhalten und Vorfälle.
- Ein Zurücksetzen auf Werkseinstellungen oder ein Gerätetausch kann sinnvoll sein, am besten mit Unterstützung einer Fachperson.
Bei digitaler Gewalt gilt außerdem: Beweise zuerst sichern, dann melden. Das Opfer-Telefon des Weißen Rings erreichst du laut Polizei unter 116 006. Der bff verweist auf Fachberatungsstellen, die beim Umgang mit digitaler Gewalt helfen. Bei akuter Bedrohung wende dich an die Polizei, möglichst von einem sicheren Gerät aus. Für allgemeine Fragen zur IT-Sicherheit nennt das BSI sein Service-Center unter 0800 274 1000.
„Ihr iPhone wurde gehackt“: Pop-ups im Browser
Meldungen wie „Ihr iPhone wurde gehackt“, die beim Surfen aufspringen, sind in der Regel keine echte Warnung. Apple zählt irreführende Pop-ups und Anzeigen, die ein Sicherheitsproblem behaupten, ausdrücklich zu den Betrugsmaschen. Was du tun solltest:
- Schließe den Tab oder die Browser-App und gib nichts ein.
- Rufe keine angezeigte Nummer an und installiere keine angebotene „Bereinigungs-App“. Das BSI warnt vor Apps, die unverlangt als Link angeboten werden.
- Wende dich bei Sicherheitsbedenken nur über die offiziellen Supportkanäle des Herstellers an ihn.
- Hast du Passwort oder Apple-ID eingegeben, ändere das Passwort sofort und prüfe die Zwei-Faktor-Authentifizierung (Apple Support).
Werkseinstellungen als letzter Schritt
Hat nichts anderes geholfen, bleibt laut BSI das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen. Dabei gehen später installierte Apps, Einstellungen und Daten wie Fotos verloren, deshalb sind regelmäßige Backups wichtig.
- iPhone: Apple löscht damit alle Inhalte, Einstellungen und Apps. Du brauchst Internet, Gerätecode und Apple-Account-Passwort. Spiele kein Backup ein, wenn du Schadsoftware befürchtest, weil es die Software wieder installieren kann.
- Android: Laut Google brauchst du Google-Konto und Passwort sowie die Displaysperre. Hast du das Passwort kürzlich zurückgesetzt, warte 24 Stunden. Lade das Gerät auf mindestens 70 Prozent. Sichere Daten im Google-Konto und überlege genau, was du wiederherstellst: Apple warnt für das iPhone, dass ein Backup Schadsoftware zurückbringen kann.
- Bei Straftaten: Die Verbraucherzentrale rät, ein infiziertes Gerät der Polizei zur Beweissicherung zu überlassen, bevor es gelöscht wird.
Mehr zu Schadsoftware-Arten und ihrer Wirkung findest du unter Malware-Arten verständlich erklärt. Kam der Angriff über eine Mail, hilft Phishing-Mail geöffnet: Was tun?.