report:
CCC knackt Hamburger Computer-Wahlverfahren
Der trojanische Wahlstift
Artikel aus Internet Professionell Ausgabe 10/2007
Author:
Daniel Dubsky
Der Chaos Computer Club hat demonstriert, dass sich der elektronische Wahlstift, der bei der nächsten Wahl in Hamburg am 24. Februar 2008 zum Einsatz kommen soll, manipulieren lässt.
Vorgegaukelte Papierwahl
Der Chaos Computer Club hat schwere Kritik am Wahlverfahren in Hamburg geübt und zur Illustration der seiner Meinung nach vielfältigen Angriffsszenarien einen trojanischen Wahlstift entwickelt. Dieser sieht aus wie das Original und kann beispielsweise von einem Wähler oder Wahlhelfer in der Wahlkabine unbemerkt mit dem Original-Wahlstift vertauscht werden. Wird er dann zur Auszählung der Stimmen per USB an einen Rechner angeschlossen, kann die Software auf dem Stift das Wahlergebnis unbemerkt manipulieren.
"Der trojanische Wahlstift ist nur einer von vielen verschiedenen Angriffen gegen das Wahlstiftsystem. Es geht hier nicht um das eine oder andere Sicherheitsloch, das noch irgendwie gestopft werden kann. Das prinzipielle Problem ist, dass der Wähler bewusst in die Irre geführt wird. Ihm wird eine Papierwahl vorgegaukelt, die in Wahrheit eine unsichere und intransparente Computerwahl ist", kritisiert CCC-Sprecher Dirk Engling.
Denn der Wahlstift macht auf dem Stimmzettel zwar ein Kreuz, bei der Auszählung zählen jedoch ausschließlich die vom Stift gespeicherten Daten. Er erkennt anhand eines kaum sichtbaren Musters auf dem Stimmzettel, wo der Wähler das Kreuz gemacht hat. Stimmzettel, die mit anderen Stiften ausgefüllt wurden, gelten als ungültigt. Und kommt es in den Wahlkreisen, in denen zur Kontrolle auch die Stimmzettel ausgezählt werden, zu Differenzen mit dem digitalen Ergebnis, so zählen die Computer-Daten. Selbst für die Briefwahl werden die Kreuze von Wahlhelfern mit dem digitalen Stuft nachgemalt, um ein computer-gestütztes Ergebnis zu ermitteln.
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