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Know-How: Neue Interfaces und Usability
Frühjahrsputz

Artikel aus Internet Professionell Ausgabe 3/2007
Author: Jacqueline Pohl,Frank Puscher

Ajax und Flash eröffnen neue Möglichkeiten bei der Gestaltung der Bedienoberfläche. Doch Vorsicht: Fast jedes neue Interface kann Usability-Probleme verursachen.

Interface-Experiment

In 15 Jahren Webdesign gab es eine Vielzahl von Experimenten, neue Benutzerschnittstellen zu entwerfen. Die meisten Versuche sind gescheitert. Nicht weil die technische Umsetzung schlecht war, sondern weil die Benutzer den Systemen nicht genug Zeit und Aufmerksamkeit einräumen wollten, um die Philosophie hinter der Benutzerführung zu erlernen. Und weil Metaphern aus der Realwelt ? etwa die dreidimensionale Bewegung im Online-Shop ? nicht ohne weiteres den angestrebten Mehrwert in der Bedienung liefern.

Gerade im Web ist das Interface-Experiment heikel, denn es gibt praktisch zu jedem Webshop und jeder Site eine Alternative von der Konkurrenz, die mit einem anderen Ansatz arbeitet. Wer besser navigiert, gewinnt.

Technische Weiterentwicklung

Potenzielles menschliches Versagen ist das Damoklesschwert schlechthin. Die technischen Probleme früherer Jahre sind weitgehend überwunden. Mit Java, Flash und Ajax haben sich mittlerweile drei Grundsysteme herauskristallisiert, die fast auf jedem Browser funktionieren, auf den meisten Plattformen ähnlich aussehen und fast jede erdenkliche Interaktion ermöglichen. Auch die Bandbreiten steigen und erlauben den schnellen Transfer komplexerer Anwendungen, ohne dass der Geduldsfaden des Anwenders reißt.

Java hat sich im Web für Einzelapplikationen etabliert, in denen der Benutzer länger verweilt. Flash und Ajax haben ihren festen Platz im Webdesign eingenommen. Ersteres hat nicht zuletzt durch Flash-Videos auf Youtube eine optimale Durchdringung der Browser-Landschaft erreicht, obwohl es sich immernoch um eine proprietäre Zusatzsoftware handelt. Ajax dagegen fußt auf offenen Standards und setzt nur einen halbwegs aktuellen Browser voraus.

Mit welcher Technik Sie Ihr neues Interface etablieren, steht Ihnen also frei. Limitiert sind Sie aber in der Form der Ausgestaltung. Zehn Jahre lang haben deutsche Onliner gelernt, dass Webseiten von Seite zu Seite gesteuert werden, dass Formularinhalte erst abgeschickt werden müssen, bevor der Server sie auswertet, und dass die Layouts auf Webseiten in den allermeisten Fällen starr und unbeweglich sind. Nun sorgen Ajax und Flash dafür, dass das alles nicht mehr gilt. Der Webdesigner erhält den umfassenden Lehrauftrag, die User behutsam an die neuen Möglichkeiten heranzuführen. Hinweise zur Benutzung von neuen Interfaces müssen in der heutigen Frühphase sicher deutlicher und direkter ausfallen, als das in fünf Jahren noch nötig sein wird.

Die folgenden sechs Beispiele mögen Ihnen Anregungen für die Weiterentwicklung der Website geben. Sie sollen Sie gleichzeitig aber auf die Usability-Probleme der Lösungen hinweisen.

Drag and Drop

Nehmen Sie sich Zeit für einen kurzen Ausflug auf die Website von Panic Goods. Im dortigen Shop setzen die Designer eine Metapher aus der Realwelt gekonnt mit neuen Techniken um: Der geneigte Käufer darf die von ihm gewählten Artikel mit der Maus sprichwörtlich in den Warenkorb ziehen und dort ablegen. Will er einen Artikel löschen, zieht er ihn wieder heraus und lässt ihn fallen, dann verpufft das ungewünschte Stück in einer Staubwolke.

Drag and Drop ist ein angenehmes Interface, wenn es dem Benutzer die Arbeit leichter macht. Dieser ist es gewohnt, in seinem Betriebssystem Dateien zu verschieben, Programme zu starten und Abfall im Müll zu entsorgen, indem er Drag and Drop benutzt. Ähnliches kann auch auf Webseiten funktionieren. Das schiere Öffnen eines einzelnen Menüpunkts ist hingegen per Mausklick leichter zu bewerkstelligen. Panic Goods zeigt den richtigen Weg auf, der bei einer umfassenden Veränderung der Benutzerführung zu gehen ist. Der Warenkorb ist mit einem überdeutlichen Hinweis ausgestattet, dass Artikel dorthin gezogen werden können. Der User probiert es, erlernt es und wird diese Funktion vielleicht beim nächsten Einkauf in einem anderen Shop bereits vermissen.



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